Expo Real 2019: aktuelle Wohn-Trends

Immer mehr Unternehmen aus dem Segment der Wohnimmobilien richten

ihren Fokus auf Studenten und die Young Professionals.

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Deren Ansprüche sind sehr ähnlich, sodass die Produkte im Bereich studentisches Wohnen, Mikroapartments und Co-Living künftig zu einem einheitlichen Angebot verschmelzen werden. Zentrale Bedürfnisse dieser Zielgruppe sind: Flexibilität beim Wohnort, der Wunsch nach Kontakt und Community, schnelles Internet und Datensicherheit, Nähe zum Arbeitsplatz, bezahlbare Miete, Klima-Aspekte und Bequemlichkeit (Fahrrad, kurze Wege).

Mitarbeiterbindung durch Wohnraum

Selbst große Unternehmen gestalten heute ihre Mitarbeiterbindung über das Wohnen. Um die Kern-Geschäftsfelder zu sichern, müssen sie die Belegschaft auch bei diesem Thema unterstützen. Work-Life-Balance findet seinen Niederschlag in der Immobilienwirtschaft. Während früher am Produktionsstandort gewohnt wurde, geht der Trend zum Wohnort in beliebten „jungen“ Städten mit Universitäten und internationaler Klientel. Auch DAX-Unternehmen schaffen zunehmend eigenen Wohnraum für ihre Mitarbeiter und „bringen“ die Arbeit zu ihnen. Sicherheitsvorgaben und Aspekte der Preis-Effizienz lassen Großkonzerne zu Konkurrenten von We-Work werden. Für ihre Expats, Digital Natives und Urban-Nomads sind Angebote im Hinblick auf flexible Wohnsituationen in Kombination mit Co-Working Spaces, die zum Konzern gehören, besonders interessant. Neue Mitarbeiter bekommen in ihrem Arbeits- und Wohnumfeld schneller Anschluss und Orientierung.

Flexibilität ist das Kriterium

Interessante Anbieter für studentisches Wohnen mit flexibler Raumausstattung (easy living) ist die Firma Quarters ( www.goquarters.com ). Hier sind die Räume mit Sperrholzmöbeln ausgestattet. Der Schrank ist offen und lässt sich im Raum mit Rollen bewegen. Die Bewohner haben Plastikkisten, in denen sie ihre Utensilien verstauen und mit denen sie sogar von einem Quarters-Wohnhaus zum nächsten ziehen können. Das Ganze ist sehr viel schicker, als es sich hier beschreiben lässt. So teilen sich 2–6 Leute ein Apartment. Bad und Küche werden ebenso geteilt.

Ein Anbieter für deutlich hochwertigere Apartments ist Vision Apartments (www.Visionapartments.com). Das weltweit agierende Unternehmen bietet Wohnraum für Leute, die flexible Ein- und Auszugstermine von zwei Tagen bis zu einem Jahr wollen. Der Preis wird wie beim Hotel pro Nacht berechnet. Die Immobilien sind reine Gewerbeimmobilien.

Der Bedarf nach Wohnraum geht häufig mit dem Bedarf an flexiblen und angenehmen Arbeitsplätzen einher. Idealerweise wird beides an einem Standort angeboten. Spannend sind Konzepte der Unternehmen Knotel (www.knotel.com) und Mindspace (www.mindspace.com). Beide Anbieter legen Wert darauf, Raum für das Ein-Personen-Startup, wie auch für die wachsende Mittelstands-Firma zu bieten. Gemeinschafts-Arbeitsräume, Besprechungsräume und individuelle Büro-Kabinen werden hier angeboten. Eine Herausforderung ist es, eine technische Infrastruktur und Lösungen für schnelles Internet und Datensicherheit zu schaffen. Es geht um flexible Antworten auf individuelle Bedürfnisse, die sich ständig verändern.

Arbeiten im öffentlichen Raum

Leben und Arbeit findet immer mehr im öffentlichen Raum statt. So ist es bei der Standortwahl solcher Immobilienkonzepte wichtig, Wohnen, Arbeiten und Einkaufen sowie Essen, soziales Miteinander und Freizeit zu vereinbaren. Gastronomiekonzepte spielen hier eine interessante und vielleicht zu wenig beachtete Rolle. Einfache, qualitativ hochwertige Angebote gibt es zum Beispiel in der Münchener Schrannenhalle, www.eataly.net und in London www.mercatometropolitano.com. In Berlin sind bereits etliche Cafés auf den Trend aufgesprungen und bieten Platz zum Arbeiten an, beispielsweise in Kreuzberg das Café Hallesches Haus www.hallescheshaus.com.

Die Generation Y ist da

Klimaschutz in Wohngebäuden scheint in der Branche hingegen kein Thema zu sein. Es wird eher die Überregulierung angeprangert, die das Bauen verzögert und Produkte sehr teuer macht. Flexibles, bezahlbares Wohnen zur Miete und das Arbeiten stehen im Fokus. Das private und öffentliche Leben vermischen sich: Work-Life-Balance und der Wunsch nach Sinnhaftigkeit der Arbeitszeit spielen eine zunehmend große Rolle. Eine große Herausforderungen sind entsprechend zentral gelegene Immobilien. Diese müssen nicht notwendigerweise Wohnimmobilien sein. Anbieter wie Vision Apartments suchen gezielt Gewerbeimmobilien für ihr Konzept. Das Thema Smart Living wird m. E. zurzeit etwas zurückgefahren. Datenlecks und Cyber-Security-Pannen machen dieses Thema zumindest in den Augen von urbanen Mietern kontroverser. Große Facility Manager sehen das naturgemäß anders. Insgesamt ist die Generation Y in der Immobilienbranche angekommen.