Soziale Mieten in Berlin: Brauchen wir noch mehr Volksbegehren?

Die Stadt ist so einzigartig und so dynamisch. Aber es lauert in Berlin eben auch eine gravierende Gefahr: Der Coolnessfaktor lässt nach!

S-Bahn Impressionen Berlin

Es kommen immer mehr Leute, die hier arbeiten und forschen wollen, die hier Unternehmen gründen wollen. Diese Leute wollen hier etwas bewegen, vielleicht Großevents herholen oder ihren Kiez sanieren. Die Gefahr ist real! Und sie wird unterschätzt!

Was, wenn sich die Stadt zur Metropole entwickelt?

Oder Baulücken geschlossen werden? Was, wenn in Berlin weiter so investiert wird? Das darf nicht geschehen! Es steht eine Spezies am Abgrund: Der Berlin-Bewohner mit Milieu. Wir nennen das, was ihn besonders auszeichnet, in Anlehnung an Heinrich Zille den „Milljöh-Faktor“.

Berliner haben eigentlich eine Art urbanen Naturschutzpark verdient. Denn Milljöh-Berlin steht schon jetzt quasi auf der Roten Liste!

Nur so eine klitzekleine Idee, nicht mehr als ein Kopf-Kino:

Wir richten eine Behörde ein, deren Aufgabe es sein sollte, zeitnah, d. h. innerhalb von zwei Jahren zu klären, welche Bürger zum Milljöh in Berlin gehören und welche nicht. Milljöh-Berliner sind dann unter strengsten Schutz zu stellen. Natürlich muss vorher eine Kommission (mit Frauenquote) bestehend aus Lokalpolitikern und -innen, Gewerkschaften, Hasenzüchtern und -innen und Vertretern der Berliner Zoos gegründet werden.

Deren Aufgabe soll es sein, die Prüfungskriterien festzulegen, anhand derer wir in einer transparenten und demokratisch legitimierten Weise zu einem Milljöh-Punkteverfahren und zu brauchbaren Ergebnissen kommen.

Der Milljöh-Berliner in seinem natürlichen Umfeld

Es sollte dann drei Kategorien von Milljöh-Schutzgebieten analog zur KFZ-Plakette ausgerufen werden: Die eigentliche Schutzzone 1 innerhalb des S-Bahn-Rings darf nur noch von reinen Milljöh-Berlinern bewohnt werden. Sie sind gesellschaftlich engagiert und weisen das durch ihre Teilnahme an mindestens einer „Campain“ oder einem Volksbegehren gegen irgendetwas, das mit Politik oder Umwelt zu hat, nach. Leistungsempfänger und Betreiber von Traditionslokalen werden von dieser Regelung ausgenommen.

Milljöh-Berliner der Kategorie 1 sind vorzugsweise vegan oder nikotinabhängig, fahren mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig oder wenigstens gegen die normale Fahrtrichtung ohne Licht. Ach ja, Geld dürfen sie logischerweise auch nicht haben. Arm aber sexy eben.

Wer sonst noch in der Hauptstadt wohnt

In der Zone 2 am Rande des S-Bahn-Rings dürfen sich die Berliner mit weniger Milljöh aufhalten. Es sind die Ur-Einwohner und jene Zugezogene, die sich einer Vermögens- und Gesinnungsprüfung zu unterziehen haben. Die Behörde hat zu klären, ob sie wenigstens einen Funken Milljöh unter dem Pony haben. Ansonsten werden sie nach Cottbus abgeschoben. Da ist Platz genug.

Alle anderen gehören der Stufe 3 an und dürfen nicht mehr nach Berlin ziehen. Für sie ist in Teltow Schluss. Schwaben und Touristen sollen in den 5-Sterne Hotels wohnen und ihr Geld in der Stadt lassen. Ausnahme: Neue Leute mit Milljöh, die sich einer hilfsweisen Vor-Prüfung durch die Bahnhofsmission stellen.

Ohne eine Plakette der Milljöh Kategorie 1 gibt es keine Wohnung mehr. Die neue Milljöh-Behörde hat das ausschließliche Belegungsrecht der VEB Wohnungswirtschaft, denn Berlin ist dann ja ein urbanes Naturschutzgebiet und ausschließlich am Schutz des natürlichen Milljöhs orientiert.

Wer noch in alten Mietverträgen oder als Eigentümer in der Stadt wohnt und kein Milljöh vorweisen kann, muss mit Zwangsabgaben rechnen. Das entlastet den Berliner Haushalt und kommt direkt jener VEB Wohnungswirtschaft Berlin milljöhschutzrechtlich zugute.

Macht zuerst mal Kopfkino!

Liebes Bündnis zur Vorbereitung des Volksbegehrens für soziale Mieten in Berlin: Macht Kopfkino! Ist cool. Ist billig! Berlin zu bewahren heißt Milljöh zu schützen. Ein urbanes Naturschutzgebiet käme da gerade noch zur rechten Zeit. Es lebe die Berliner Luft, Luft, Luft …